AUGUST.2007
AUFRÄUMARBEITEN
28/08/07
Habe wirklich einiges zum fertigstellen. Im Schneideraum in Mödling wartet auf mich das Drehmaterial für die ORF Comedy "Wir sind Kaiser."

Auf meinem eigenen Schnittplatz wartet das Material des letzten Kurzfilms FROGS. Und die 3,5 Stunden Making of Material sollte man auch in eine verständliche Form bringen.
Trotzdem bereite ich zwei weitere Kurzfilme vor. Sie sind für mich wichtige Fingerübungen auf dem Weg zum ersten Langfilm, den ich eigentlich schon vor 8 Jahren hinter mich bringen wollte. Bis zum nächsten Sommer werde ich mich anstrengen um noch einen Thriller (mehr Schocker als Bluter) und einen Krimi (mehr süd- als nordamerikanisch) zu drehen und auf die Reihe zu bekommen. Das Script zum Krimi (STEALING KARL), wurde gerade von Robert Mohor beendet ... bleibt nur die Frage: Leo, wer soll das alles schneiden?

Denn letztendlich muss ich auch meine zwei Theaterprojekte für den Herbst vorbereiten und noch ein Script für eine (mögliche) Serie schreiben. Ohne die Einnahmen geht sich nämlich das Catering für die beiden Kurzfilme nicht aus.
SKANDAL IN ISCHL
25/08/07

Abfahrt aus Wien. Den Namen des Fahrer missverstehe ich und er ist für mich ab sofort ein Finne, später Norweger oder Schwede. Eigentlich kommt er aus? Erste Nacht im Doppelzimmer statt Einzelzimmer und mein Versuch nicht zu schnarchen. Neben mir liegt schließlich ein Darsteller, der braucht seine Ruhe. Die zwei Bier aus der Minibar hat er sicher nur wegen seinem Durscht, und nicht wegen meiner (nahen körperlichen) Anwesenheit getrunken. Ging am Morgen nach ihm Duschen. Wer will (s)einen alten, grauen, Rückenbehaarten Regisseur schon nackt sehen? Nächster Tag endlich ein Einzelzimmer, aber das TV Gerät ist ohne Pay TV. Hallo Produktion? Ich kann ohne Sexfilm nicht einschlafen. Erster Drehtag, natürlich (wie bei meinem letzten Dreh auch schon) hier ebenfalls mit Regen.

Auf der Fahrt zum Dreh erlebe ich einen Headautor und seinen Juckreiz nach Porsche. Die schöne heimische Landschaft ist ihm wurscht, wenn aber ein Porsche in Sicht ist, kommt der Auszucker: „Da schaut ein Porsche XXX!“ Autoren verdienen zu gut. Am Set dann zusätzlich zu den unechten Adeligen, echte Jäger und eine falsche Gams. Aber alle haben ein punktgenaues Spiel. Als Stadt Regisseur habe ich klarerweise das falsche Schuhwerk beim Landdreh mit. Rote Puma Sneakers mit flacher Sohle. Beeindruck den oberösterreichischen Waldboden nicht.

Logische Folge – ein Ausrutscher am nassen Gras und Handi weh weh. Berge, Jäger und Schusswaffen und ich fühle mich einen Vormittag lang wie Louis Trenker. Danach Dreh beim ersten Konditor der Stadt. Das einzige Interesse der Crew und Darsteller sind klarerweise nicht meine Anweisungen sondern einen berühmten Zaunerstollen (umsonst) abzustauben. Ich will eine Kameraführung wie in THE SHIELD und die Crew möchte Schokolade. Aber es gelingt uns beides. Eine Szene später und zehn (geschenkte) Zaunerstollen reicher verlassen wir nach 45 Minuten die Location. Nachdreh am Abend der verregneten Szene vom Vormittag. Diese Jagdszene hat nun mehr was von Terry Gilliam - absurde Bergromantik und ein kranker Jodler. Thats my World. Zweite Nacht im Hotel. Statt Sexfilm schauen halt Tschin Bumm Roman lesen. Aber von der besten Sorte: Hinterhalt von Gerry Disher. Das Lesen macht mir Lust auf meinen nächsten Kurzfilm, auch einen Krimi. Aber das ist eine andere/spätere Geschichte.

Zweiter Drehtag und endlich Kaiserwetter und Kaisergäste. Skilegende Franz Klammer und unser Kaiser beim Golf. Aber da nach 15,36 Minuten unser aller Skikaiser wieder zu einem anderen Termin muss, kann ich nicht alles so drehen wie ich möchte. Ein Abschlagplatz muss für zwei herhalten. Termindruck ist Termindruck, da kannst du vorhaben was du willst, da musst du drehen was du kriegst. Letzendlich wird mir gesagt, ich darf nicht laut sein, weil man sonst die Golfer aus der Konzentration bringt. Ein Regisseur flüstert aber nicht. Leicht möglich, das ich an diesem Tag jemanden um den Sieg geschrien habe.

Noch kurz eine Szene aus AUSTIN POWERS (mit unseren Budget) nachgedreht. Abfahrt vom Golfplatz mit einem Navigationssystem, das alle 12 Sekunden die „Route neu berechnet.“ Sicherlich, eine sexy Stimme, aber völlig planlos. Danach fühle ich mich kurz wie Marty Scorsese. GOODFELLAS und CASINO lassen grüßen, als wir mit unserem Kaiser und seinen Lakaien, sowie dem echten Ischler Kurdirektor, eine mafiöse Szene im Lehar Theater drehen. Meine Anweisung „Rudi, spiel‘s mir doch mehr wie Joe Pesci!“ läßt den Rudi gleich mal von der Treppe stürzen. Er unverletzt, die Szene im Kasten und der Tourismus-Direktor Robert Herzog entpuppt sich als Talent für nervöse Typen. Ich habe ihn auf jedenfall die Privatnummer von Marty gegeben. Kann nicht schaden. Danach kommt endlich meine Clint Eastwood Viertelstunde. "Bist du wirklich bereit, ne Kugel abzukriegen ? - Ich werd darüber nachdenken, wenn ich auf dein Grab pisse."

Der Film IN THE LINE OF FIRE steht für die kommenden Szenen Pate. Danach ein Hauptdarsteller ohne Mittagspause. Grantig aber professionell dreht er weiter. Tonmann bemerkt auch kein störendes Magenknurren. Viel, manches seltsames und manch hübsches, echtes blaues Blut umschwirrt uns am Abend, im letzten Set. Das ist aufgebaut im Kurpark. Dort auch viele Reporter ohne Grenzen.

Unser Dreh ist irgendwie hip. Leo wird kurz (beruflich) grantig und weist die Berichterstatter von seinem Set. Sicherlicht ein persönliches PR Desaster, aber ich muss ja auch was drehen. Knapp vor Drehende durfte ich auch die Weltpremiere eines Musicals miterleben.

Tamee Harrison verformt sich mit Hilfe eines 5 minütigen Playbacks und einer schwarz gelockten Pudelmütze, mit etlichen Plastikedelweis, zu einer Sisi. Die Moderatorin beendet den Auftrtitt der Sängerin mit dem Worten: "Sie erlebten die Welturaufführung des Musicals Sisi". Lange über diesen Satz gelacht. Meine vorletzte Einstellung des Drehtages wird ein hastiger Versuch, kurz einmal Federico Fellini zu sein.

Drehende und Flucht durch die Hintertüre des Kurzentrums. Das sexy Navigationssystem unternimmt einen letzten Versuch uns nicht ins Hotel zu leiten. Es misslingt. Der Dreh war dicht und manchmal mussten wir mehr improvisieren als wir dachten (wollten), aber er hat uns trotzdem sehr gefreut.

REDEN WIR
09/08/07

Vor kurzem habe ich mit Langzeitkollegin Bettina Soriat ein Interview geführt. Über unsere Zusammenarbeit und über ihre Sicht der Dinge und über neue Wege. Unsere berufliche Zusammenarbeit geht schon mehr als 10 Jahre; Simpl, Kranke Schwester, De Luca, Novotny & Maroudi. Denke das macht mir gerade großen Spaß, meine Kollegen zu interviewen. Ungeschminkt und ehrlich. Weil im heimischen Fernsehen haben wir Komödienhackler derzeit eh nichts zu lachen, also lets talk about it. Clip noch im August.

UNKÜRREKT
02/08/07
So nebenbei habe ich in den oberösterreichischen Nachrichten gelesen, das wir unser Ethno Comedyformat "Unkürrekt", das vor drei Jahren auf ATV (damals noch ATVplus) lief, der SAT1 Show "Was guckst du" nachgeahmt haben.

Schwach nachgeforscht. "Was guckst du" war eine Sketchcomedy mit Kunstfiguren. "Unkürrekt" war (meines Erachtens nach) die erste österreichische Comedy mit echten Ausländern der zweiten Generation und hat mit ihren Vorurteilen gespielt. Und die Darsteller waren keine gelernten Comedians oder Kabarettisten, sondern halt Migranten. Und das war der Motor der Sendung. Wenn wir abgekupfert haben, dann von Streetformaten wie "Trigger Happy TV". Unser Format sollte aufregen und unanständig sein. "Was guckst du" sollte nur zum Lachen sein. Wo die Zeitung aber recht hat, hierzulande gibt es viel zu wenig im Fernsehen über und mit Migration. Auch in den heimischen Serien gibt es oft nur den minimal Klischee Ausländeranteil. Aber 2008 kommen noch mehr Ausländer zu uns um kurz "auf Gras" zu arbeiten. Aber darüber mache ich was...
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