30/10/07
THE DAY AFTER
Die Premiere von DAS IST DIE HÖHE ist gelaufen.
noch 4 Stunden
Begonnen hat der das mein Taxi mit einer Fahrerin, die sichtlich physisch neben der Spur fuhr, in ein anderes Auto gekracht ist und sich während des Ausfüllens des Unfallprotokolls scheinbar in den anderen Fahrer verliebt hat. Wie sonst braucht man 30 Minuten für einen Schadensbericht? Etwas durchgeschüttelt bin ich in die Premiere gekommen. Was nun zu dem Stück von den Profis, Kollegen oder Verwandten gesagt oder geschrieben wird, für mich war die Arbeit mit dem Team eine schöne und tolle Zeit. Habe das Gefühl, bin sehr präzise und konsequent mit dem Stück und den Schauspielern umgegangen ohne beide zu verraten. (Ob ich das Budget gesprengt habe, erfahre ich sicher demnächst). Denke auch das die drei Darsteller hervorragende Arbeit geleistet haben und als Team gespielt haben. Für uns war es also eine runde Sache, wir haben sie gerne so gemacht.
noch 2 Stunden
Hoffe die Figuren haben Ecken und Kanten und riechen nach Menschen. Wir haben sehr filmisch gearbeitet (Leo meint, das wird noch ein Megatrend auf den heimischen Kleinkunstbühnen - filmischer denken und arbeiten.) Wir haben viele spielerische Details uns erarbeitet und ein hohes Tempo zugelassen. Hot Fuzz lässt grüßen. Für Ideen zur Bühne und Licht habe ich mich bei zwei meiner Lieblingscomixreihen umgeshen: 100 Bullets und Sin City. Die Welt und die Figuren bei DAS IST DIE HÖHE sollten nicht blos schwarz oder weiß werden – Stück und Charaktere sind grau. Mehr Zwischentöne möglich. Der Stoff wäre auch als Film geeignet, haben mir auch einige Premierenbesucher gesagt. Ein moderner Komödienthriller in den österreichische Alpen? Lesen hier auch Filmproduzenten?
noch 1 Stunde
Einer aus den TOP TEN in dieser Branche hat mir knapp vor der Vorstellung eine unerwartete liebe TOI TOI TOI SMS zur Premiere geschickt, obwohl unsere letzte gemeinsame Arbeit, gerade bei mir, eine dumpfe Beklemmung hinterlassen hat. Danke für die SMS. War den ganzen Abend (wie die Taxlerin) aber körperlich und geistig neben der Spur. Dumme Nachwirkungen der Verkühlung. Aber die Verkühlung hatte auch was gutes, noch nie haben mir so viele Leute nach der Premiere gesagt, wie schmal ich derzeit aussehe.
noch 30 Minuten
13/10/07 SELBSTGESPRÄCH
Wie spät ist es?
Ca. 3 Uhr morgens. Konnte nicht schlafen, habe wie ein Presslufthammer gehustet und streitende Nachbarn haben mich geweckt. Wie laufen die Theaterproben?
Sehr rund, wir stehen zwei Wochen vor Premiere. Jetzt wird viel fein geschliffen. Viele technische Sachen – Wo steht Wer und Warum. Das macht die Darsteller schnell müde, weil ich auch dauernd neue Ideen habe. Ich muss mich oft bremsen um den Schauspielern die Zeit zu geben – die Szene mental zu verarbeiten. Gab es schon „schwierige“ Tage.
Noch nicht. Aber vor kurzem habe ich Teile aus dem Buch gestrichen (einen Song) und Dialoge umgestellt. Das macht natürlich den Autor nicht glücklich, aber im Laufe der Proben habe ich gemerkt, das Stück bräuchte hier einen Tempowechsel. Lässt du Autoren ihren (Frei)Raum?
Klar. Jeder hat seine Zeit, der Autor beim Schreiben, der Regisseur beim Inszenieren. Das hat jeder seinen (Spiel)Raum. Und Schauspielern?
Natürlich und hoffentlich am meisten. Ich mache mit ihnen zwar gerne eine Raumaufteilung um Bilder und Situationen festzulegen, aber spielen müssen schon sie. Den sie „verkaufen“ ja die Idee(n) von Autor und Regisseur ans Publikum. Klar, wenn was total gegen meinen Strich oder die Grundidee läuft greife ich ein. Aber sonst - man „inszeniert“ ja schon mit dem Casting. Wie wird DAS IST DIE HÖHE?
Eine banale Frage … Kommt ja auch von Dir…
Danke. Naja wie wird die Höhe? 90 – 100 Minuten abschalten und einer schrägen Story und interessanten Typen zuschauen und sich selbst mal vergessen. Das ist/wäre das Ziel. 90-100 Minuten, klingt realtiv kurz?
Dem Trend Dinge ewig hinauszuzögern, mag ich weder am Thetaer noch im Kino, noch im Leben. Mein Credo für DAS IST DIE HÖHE, es soll wie ein gutes Fußballspiel sein - rasantes Spiel, geile Aktionen aber nach etwa 90 Minuten wird abgefiffen. Kommen deine Markenzeichen in dem Stück vor?
Kompliziertes Sexleben und absurdes Handlen von Menschen die manchmal Stolpern und am Boden liegen, sich wild streiten, versöhnen und hin und wieder hemmungslos auszucken und am Ende des Tages einräumen das alles vergänglich ist? Ja.
Ja. Wie wird Kritik und die seriöse „Künstlerwelt“ drauf reagieren?
Keine Ahnung, ich mache Sachen für die Masse. Da bin ich eine Rampensau. Erwartest Du nach DAS IST DIE HÖHE Angebote von anderen Theatern.
Nein, die habe ich schon vorher erwartet. Wie läuft es im Fernsehen?
Vor kurzem hat mich der Regisseur von WIR SIND KAISER angerufen und mir gesagt: „Leo, du wirst jetzt im Abspann auch unter Regie geführt, weil du ja auch das LIVE Staging machst.“ Er entschuldigte sich dafür, dass ich beim Roller der ersten Sendung „nur“ unter Coaching geführt wurde. Ist mir gar nicht aufgefallen. Mir bringt die Sendung ein wenig Geld und ich arbeite gerne mit dem Team. Wie sieht es mit eigenen Projekten aus?
Das habe ich wirklich in den letzten Monaten schleifen lassen. Teilweise bewusst, teilweise aus Frust. Wegen der „abrupt“ beendeten Sitcom?
Wegen beider jäher beendeter Sitcoms. Die eine starb unter frindley fire und die andere wegen deutscher Übergriffe. Meine eigene war im Nachhinein von den Quoten nun doch nicht so unerfolgreich wie manche es herbeigesehnt/geredet haben. Manches ist leider nicht so aufgegangen. Die Nachwehen waren allerdings nicht schön, hatte das Gefühl Ohrfeigen für was zu bekommen, das gar nicht existiert. Aber It’s Gone - es ist vorbei und mein letztes Fernsehfrühjahr soll nun in Frieden Ruhen dürfen. Einer der Hauptdarsteller der Sitcom dreht in wenigen Tagen seine eigene Serie, was wünscht du ihm?
Keine Anschlussfehler und das er nicht solche Hauptdarsteller hat, wie ich sie bei meiner Sitcom hatte. Hauptdarsteller - Mehrzahl?
Ja. Beide haben sich zuerst wichtig gemacht und dann sehr „französisch verabschiedet"... In absehbarer Zeit, wird es wieder eine Serie von Dir geben?
Absehbar - Nein. Geben – Ja. Aber der Fokus liegt auf der geschriebenen Serie. Mit eigenentwickleten Shows oder Realitcomedys im Fernsehen habe ich zur Zeit wirklich abgeschlosen. Auf der anderen Seite arbeite ich an zwei interessanten fikitonalen Stoffen. Ein eigenes (mal mit einer Autorin) und eines von einem befreundeten Autor. Bei beiden möchte ich auch die Regie machen. Aber derzeit nicht so auf Druck wie bei früheren Piloten. Ich gehe auf die 50 zu, bin zwar im Kopf noch immer 20, aber manches habe ich im Fernsehen einfach hinter mir, vor allem die Machtspiele die letztendlich zu Projekten führen. Die kann man nie verhindern, aber das gehe ich nun entspannter an. Wünsche ich mir halt. Aber wenn die Projekte grünes Licht bekommen…
… werde ich sie mit einer Leidenschaftlich drehen, die andere nicht haben. Das ist noch immer der beste Leo Joker, meine ungebremste Begeisterung für das Drehen. Das so Branchen beliebte "sich selber auf die schulterklopfen klopfen beim chilligen networken" interessiert mich nach wie vor nicht so rasend. Dem ziehe ich eine gute DVD vor. Bist Du neidisch, das andere mehr drehen fürs Fernsehen als Du?
Manchmal, aber das ist der Bonustrack des Jobs - der Frust und dieser ständige Selbstzweifel. Manchmal verstehe ich allerdings nicht den Hype um angesagte Typen. Da denkt man sich klarerweise: Also, das kann ich so auch. Aber auch dieser Frust vergeht und kommt und vergeht und ... Was wird aus der „derzeit“ ruhenden Komödienserie FC Rückpass?
Die werde ich im nächsten Jahr nochmals anbieten. Fußball und schlechtes Wetter kommen nicht aus der Mode. Und ich würde gerne bald wirklich einen Langfilm drehen. Mit GRAMMELFLEISCH habe ich ein Film Noir Script herumliegen. Das wäre eine Einstiegsdroge ins Langfilmgeschäft. Günstig aber schräg. Woran scheitert das?
Zur Zeit noch an dem Spruch: „Kannst du das überhaupt - einen Spielfilm inszenieren?“, denn man in diesem Land dauernd zu hören bekommt. Übrigens von Produzenten, die auch nicht rasend den Kultfilm geschaffen haben, den sie von dir dauernd erwarten. Wir sind ein ich-gestörtes Filmland. Unser Produzenten erwarten dauernd von dir im Gepäck „Sin City“ oder "das du in Wahrheit David Fincher" bist. (Förder)Geld gibt es hier nur für unnötige Sozialdramen oder totgestylte und zugelabberte Möchtegernkomödien. Und wenn du von der schnellen Fernseh-Comedy-Regie kommst bist sowieso für Förderanstalten und Produzenten uninteressant. Vermutest du jetzt?
Nein, ich habe solche Meetings hinter mir. Gekämpft wird um dich als Regisseur nur bedingt, viele Produzenten stützen nicht wirklich dein Rückrat, außer deine Nase passt gerade einen anderen Entscheidungsträger, den sie noch wichtiger als sich selber einschätzen. Nur so kann es wohl auch nicht gehen. Aber ich glaube fest daran, dass es irgendwo da draußen den Produzent gibt, der mich in den Spielfilm oder Serie schubbst. Der größte Fehler beim ersten eigenen langen Film?
Es beweisen zu wollen. Das trifft übrigens auf jedes Projekt zu. Wie vermeidest du diesen Drang?
Mehrere Sachen andenken, dann verteilt sich dieser Zwang. (Hoffentlich.) Wie sieht es mit neuen Kurzfilmen aus.
Da gibt es ein fertiges Script. Einen schnellen Krimi. Junger Gauner, tödliche Frauen und edle Klunker. Und ich würde ja so gerne morgen losdrehen, aber irgendwie muss man auch bei No Budget Projekte ein wenig Bares zusammen haben um die Wurstsemmeln für das Team zu zahlen. Meine derzeitige Sinnfrage: Wie viele Wurstsemmeln ergeben ein No –Budget Film? Findest du es peinlich dich selber zu interviewen.
Nein, das macht ja auch Álex de la Iglesia. Dessen Filme kann ich nur empfehlen. Guter Mann, bin großer Fan. Dein Lieblings-email der letzten Zeit?
Von Kollegin Theresia Haiger, die mir schrieb ...bin wieder einmal durch Deine Homepage gesurft (anstatt dass ich was Gscheites mit meiner Zeit anfange :-))) ... Danke. Und deswegen mache ich diese Seite … um wertvolle Zeit zu vernichten. Was kommt als nächstes?
Schlafen gehen. Es ist knapp 4 Uhr Morgens und die streitenden Nachbarn wurden entweder von der Polizei abgeführt oder haben sich erschossen – Habe das nicht so mitbekommen.
13/10/07
NEU IM REGAL Soeben im Netz gefunden, ein T-Shirt mit dem passenden Kommentar zur laufenden Comedysaision im heimischen Fernsehen.
"Wir sind Kaiser" ist mit guten Kritiken, aber deutlich weniger Zusehern gestartet, als wir uns es gewünscht hätten. Schade, aber wir haben ja noch einige (unregelmäßige) Folgen um uns zu beweisen. Aber das Desaster Drama in der heimischen Fernsehunterhaltung haben eh andere zu verantworten. Vielleicht ist dieser Tiefschlag auch gut so und man wünscht sich in den Entscheidungsetagen in absehbarer Zeit wieder pures Entertainment und nicht nur "schräges und geklautes und abgewracktes." Bis Ende des Jahres gönne ich mir noch eine Auszeit von neuen/eigenen TV-Projekten, danach versuche ich auch wieder aktiv mitzumischen. Mal sehen ob es auch wer sehen will, auf jeden Fall werde ich ab Jänner was drehen.
Und sonst bin ich noch immer verkühlt, körperlich - nicht beruflich. Das laute Husten hört sich jetzt schön langsam aber sicher gefährlich an. Zumindestens stört es bei den Proben die Konzentration der Schauspieler.
Naja, bis zur Premiere von dem neuen Stück (am 29. Oktober im Wiener Metropol) werde ich mich noch auf den Beinen halten können. Die Killerkeime halten mich aber leider von allen anderen Sachen fern, die ich auch machen wollte. Angesagt ist derzeit nur Proben, dann rasch nach Hause und blöd liegen und dumm schwitzen. Ich hoffe nächste Woche wird das anders, sonst nehme ich wirklich mal gegen die Grippe auch Medikamente. Soll ja welche geben ... und ein Arztbesuch könnte auch helfen. Aber Männer und ein Arztbesuch...
10/10/07
LEBENSZEICHEN
Es gibt seit 3 Tagen ein hartnäckiges Gerücht, das besagt ich sei tot. Ich hoffe dieses Video aus meinem keimfreien Headquater überzeugt die Welt vom Gegenteil.
Derzeit schwitze und huste ich mir zwar alle Sünden (die ich seit dem 23. 08. 1974 angehäuft habe) aus dem Leib, weil extrem verkühlt, aber zum Sterben reicht die Grippe allerdings noch nicht. Reiche hier auch noch zwei Fotos nach, die vor kurzem bei der 100sten Vorstellung von 4 nach 40 geknipst wurden.
OBEN: Das 100er Team von "4 nach 40"
ein Bauer, Nowak, Paschke, Haiger, Clerici, Schindlecker Brothers
04/10/07
3 WOCHEN PROBENZEIT VORBEI Während die Mädchen (Darstellerin Doris mit Choreografin Bettina) brav getanzt haben ...
... haben die Buben (Darsteller Gery und Josei) um ihr Revier gekämpft. Und das Textbuch war immer mitdabei. Der Kleiderhacken ist noch Proberequisit und wird bei der Aufführung gegen eine UZI getauscht.
Die dritte Probenwoche von Das ist die Höhe geht zu Ende. Schrägster Probenmoment in dieser Woche war sicherlich das Nachstellen der berühmten Knutscherei aus Spidermann 1 durch Gery und mir. Wobei ich natürlich den Part von Kirsten Dunst abbekam. Das Gekreische im Hintergrund stammt übrigens von Bettina und Doris. Josei war schon lange von der Probe geflüchtet und mußte sich das nicht geben. Auf eigene Gefahr; Enjoy.
02/10/07
4 VOR 100
Vor einigen Tagen ging die 100ste Vorstellung von 4 nach 40 über die Bühne. Als einziger der bislang glorreichen sieben Darsteller hat Reinhard Nowak alle Aufführungen absolviert. Knapp vor dem Anpfiff zum Hunderter habe ich mich mit der Videocamera in die Gaderobe begeben und die Darsteller beim intensiven und konzentrierten Durchsprechen des Textes gefilmt. Nur für starke Nerven.
Habe heute im neuen SPIEGEL einen interessanten Artikel über deutsche Regisseure in Hollywood gelesen. Amerikanische Produzenten halten ... deutsche Regisseure für Meister der Beschränkung ... weil diese mit wenig Mittel erstaunliche Bilder auf die Leinwand bringen ... HELLO MR. JOEL SILVER oder MR. JERRY BRUCKHEIMER, wenn sie diese Seite jetzt doch zufällig lesen - Ja, man surft auch in L.A. - auch ich kann mit wenigen Mittlen eine XXL Verfolgungsjagd oder Big Boom Action drehen. Zum Beweis gibt es hier einen BEHIND THE SCENE Clip von der Comedy Die kranken Schwestern. Gedreht ca. Ende der 90iger. Die handelnde Personen sind, der übermotivierte Polizist: Fifi Pissecker. Räuber ohne Ausbildung: Andreas Rottensteiner. First Class Director of Photography: Robert Dorner. Thrilling Script & Overloaded Action Concept & Fast Food Blockbuster Regie sind von mir. Enjoy und ruf mich ja an Hollywood
So - habe leider seit einigen Tagen einen blöden Grippevirus und dadurch schaffe ich es einfach nicht den angekündigten Teaser für den Kurzfilm FROGS fertig zu stellen. Habe keine Ahnung mehr, ob die vor meinen Augen auftauchenden verzerrten Bilder nun mein Kopf oder doch das Schnittprogramm erstellen. In einigen Tagen ist er aber sicher online. Bis dahin bin ich auf Medikamente und kurz weggetreten.
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